Seit April dieses Jahres hat der Nationalpark Drentsche Aa ein neues Besucherzentrum. André Brasse, Koordinator für Kommunikation & Bildung des Nationalparks, teilt die Erfahrungen und Erkenntnisse des ersten halben Jahres.

Wurde das neue Besucherzentrum als Ersatz für ein bestehendes Zentrum entwickelt?

Andre: „Nein, das Besucherzentrum ergänzt einige kleine Informationspunkte und das ‚Lebendige Besuchernetzwerk‘. In diesem Netzwerk arbeiten Unternehmer zusammen, die den Gastgeberkurs des Nationalparks absolviert haben. Mit dem neuen Besucherzentrum im Huis van de Drentsche Aa bei Deurze gehen wir vor allem auf ein Bedürfnis des Freizeitsektors ein. Dieser wünschte sich schon länger einen zentralen Ort, an dem wir Besucher auf zeitgemäße Weise empfangen, informieren und inspirieren. Es ist eine bewusste Investition, um die Publikumsfunktion zu professionalisieren und zukunftsfähig zu machen. Wir reagieren auf das wachsende Bedürfnis nach Naturerlebnis, Bildung über Klima und Biodiversität und die Rolle, die Nationalparks dabei als Träger regionaler Identität und nachhaltiger Erholung spielen.“ 


Was bedeutet das neue Besucherzentrum für den Nationalpark Drentsche Aa?

„Das Besucherzentrum hat eine strategische Bedeutung für unseren Park“, sagt André. „Es fungiert als Haupteingang und Aushängeschild des Gebiets. Damit trägt das Besucherzentrum direkt zur Erkennbarkeit und Positionierung des Nationalparks bei. Vom Zentrum aus ziehen Partner, Regierungen und Unternehmer gemeinsam an einem Strang und verbreiten die Geschichte der Drentsche Aa. Auf diese Weise unterstützt das Außenzentrum uns bei der Verwirklichung der politischen Ziele: den Schutz und die Entwicklung von Natur und Landschaft, die Verbindung mit der Kulturgeschichte und die Förderung nachhaltiger Erholung und regionaler Wirtschaft.“ 

Was sind die wichtigsten Funktionen des Besucherzentrums für den Park?

Das Besucherzentrum ist laut André der Ort, an dem Besucher die Geschichte dieser einzigartigen Landschaft erleben und lernen. „Hier beginnt die Begegnung mit der Bachtallandschaft, der reichen Kulturgeschichte und der großen Biodiversität. Neben dem Start- und Orientierungspunkt für Wander- und Fahrradtouren machen wir hier den Wert des Gebiets greifbar. Besucher entdecken, warum der Schutz und die Entwicklung der Drentsche Aa so wichtig ist und wie dies mit aktuellen Themen wie Wasser und Biodiversität zusammenhängt. Darüber hinaus bietet das Besucherzentrum Raum für Begegnung und Zusammenarbeit.“

Welche Erwartungen haben Sie an das Besucherzentrum?

„Wir erwarten, dass das Besucherzentrum zur zentralen Begegnungs- und Informationsstätte des Nationalparks Drentsche Aa heranwächst. Wir erwarten, dass das Zentrum nicht nur Besucher anzieht, sondern vor allem zu einem besseren Verständnis, zur Wertschätzung und zur Beteiligung an Natur, Landschaft und Kulturgeschichte beiträgt. Darüber hinaus sehen wir das Besucherzentrum als Motor für Zusammenarbeit und Gebietsentwicklung. Wir hoffen, dass Partner sich immer besser finden und mehr Aktivitäten im Bereich Bildung, Erholung und Nachhaltigkeit hier zusammenkommen.“

Mit welchen anderen Parteien arbeiten Sie im Besucherzentrum zusammen?

Ja, sagt André. „Die Zusammenarbeit mit anderen Parteien ist ein wesentlicher Bestandteil des Besucherzentrums. Das Zentrum wurde ausdrücklich als gemeinsame Einrichtung konzipiert. Ein Ort, an dem der Nationalpark und seine Partner, Regierungen, IVN Naturbildung und Unternehmer zusammenarbeiten und ein kohärentes Angebot an Informationen, Bildung und Aktivitäten entwickeln. Jeder Partner bringt eigene Expertise, Netzwerke und Mittel ein, wodurch das Besucherzentrum ein Ort wird, an dem wir uns gegenseitig stärken.“

Was gibt es im Besucherzentrum zu sehen und zu tun?

Besucher finden dort die Geschichte der Drentsche Aa; von der Entstehung der Landschaft über die Esdörferlandschaft bis zur heutigen Biodiversität. André: „Wasser fungiert als verbindender ‚blauer‘ Faden. Die Basisinformationen sind für alle zugänglich. Über QR-Codes können Besucher vertiefende Informationen abrufen. Auch bei der Einrichtung haben wir die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen berücksichtigt. Darüber hinaus ist das Zentrum ein Ausgangspunkt für Wander- und Fahrradrouten, Exkursionen und Bildungsprogramme. Für Kinder und Familien gibt es niedrigschwellige Aktivitäten und spielerische Elemente, die zum Entdecken einladen. Wir organisieren Vorträge, Kurse, Workshops und Thementage zusammen mit Partnern. So wird das Zentrum nicht nur ein Ort, um Informationen zu erhalten, sondern auch eine Plattform für Dialog und Zusammenarbeit.“

Was sind die wichtigsten Erfahrungen nach etwa einem halben Jahr?

„Die Erfahrungen und Rückmeldungen zum Besucherzentrum sind sehr positiv. Wir sehen, dass das Zentrum tatsächlich als Haupteingang fungiert und dass wir ein breites Publikum ansprechen können. Die Besucherzahlen liegen im Rahmen der Erwartungen. Die Wertschätzung für die Einrichtung und das Angebot von Publikum und Bildungseinrichtungen ist sehr hoch. Außerdem zeigt sich, dass das Zentrum gut auf das Bedürfnis nach Information, Erlebnis und Bildung eingeht. Besonders die Verbindung mit Routen und Exkursionen wird geschätzt. Auch die Zusammenarbeit mit Partnern verläuft konstruktiv: Es gibt eine wachsende Bereitschaft, gemeinsam Aktivitäten zu entwickeln und das Zentrum als Plattform zu nutzen. Gleichzeitig stellen wir auch Verbesserungsbedarf fest. Es geht dabei vor allem um die Abstimmung der Programmgestaltung auf unterschiedliche Zielgruppen, die Erhöhung der Sichtbarkeit gegenüber Besuchern und touristischen Partnern sowie die Sicherstellung ausreichender Kapazitäten für die Umsetzung. Diese Erfahrungen nehmen wir in die Weiterentwicklung auf.“

Wie sind Teile wie zum Beispiel die Personalbesetzung organisiert?

„Die Besetzung des Schalters besteht aus festen Mitarbeitern, die gelegentlich von Freiwilligen des Parks unterstützt werden. Zusammen mit dem Mitarbeiter für Kommunikation und Bildung koordiniere ich vom Besucherzentrum aus die tägliche Informationsbereitstellung, die Bildungsprogramme, Exkursionen und pflegen wir Kontakte zu Partnern. Darüber hinaus stimmen wir Dinge mit zusammenarbeitenden Parteien ab, wie Naturorganisationen und lokale soziale Initiativen über Programme, Exkursionen und Veranstaltungen. So sorgen wir für einen professionellen und gastfreundlichen Empfang der Besucher, ein breites Angebot an Aktivitäten und den Einsatz von Mitteln und Wissen.“

Haben Sie abschließend Tipps für andere Nationalparks, die erwägen, ein Besucherzentrum zu realisieren?

André hat sechs Tipps für andere Nationalparks.
1.    Zusammenarbeit ist entscheidend: Beziehen Sie von Anfang an alle relevanten Partner und Experten ein. Eine gemeinsame Geschichte und Akzeptanz erleichtern unter anderem die Gestaltung der Ausstellung.
2.    Denken Sie strategisch über Funktion und Erlebnis nach: Ein Besucherzentrum sollte mehr als ein Informationspunkt sein; es ist Haupteingang, Bildungsplattform UND Begegnungsstätte. Stellen Sie sicher, dass die Einrichtung und Programmgestaltung sowohl den politischen Zielen als auch dem Erlebnis der Besucher entspricht.
3.    Besucherorientiert arbeiten: Beziehen Sie Partner und Benutzer in die Entwicklung von Aktivitäten und Routen ein. Interaktive und niedrigschwellige Aktivitäten fördern die Beteiligung und machen den Park für verschiedene Zielgruppen zugänglich.
4.    Lassen Sie Logos und Markenzeichen, wo möglich, weg. Die Kraft liegt nicht in der Form, sondern im Inhalt. Richten Sie die Kommunikation auf die Geschichte, die Sie vermitteln möchten, und passen Sie diese auf den Empfänger an. So bleibt die Botschaft klar, persönlich und bedeutungsvoll, ohne Ablenkung durch Gestaltung.
5.    Überprüfen Sie die Einrichtung von Einrichtungen und Routen auf Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderungen. Dies bedeutet unter anderem die Vermeidung von Hindernissen, die Anlage von flachen und breiten Wegen und eine Informationsbereitstellung in der richtigen Höhe. Auch die Beleuchtung ist wichtig in Bezug auf sehbehinderte Menschen und das Lesen von Texten aus einer niedrigeren Position wie einem Rollstuhl. Berücksichtigen Sie dies bei der Planung, damit die Zugänglichkeit von Anfang an systematisch in die Politik und Umsetzung integriert wird.
6.    Gehen Sie bei der Erstellung von Kommunikationsmaterial von kurzen, prägnanten Texten in Kombination mit stark unterstützenden Bildern aus. Gehen Sie davon aus, dass ein Besucher maximal fünfzehn Minuten bleibt und im Durchschnitt nur ein Drittel des Textes liest. 

Es ist ratsam, im Voraus gemeinsam die Kernbotschaft zu bestimmen, die wirklich hängen bleiben soll. Der Rat ist, diese anschließend in drei Schichten auszuarbeiten.
1.    Überschrift und Bild – der Besucher soll auf einen Blick verstehen, worum es geht.
2.   Kernbotschaft in einem Satz – kurz und klar formulieren, was Sie vermitteln möchten.
3.   Ergänzender Text – für den Besucher, der mehr wissen möchte. Stellen Sie jedoch sicher, dass auch dieser kompakt und übersichtlich bleibt. Vertiefung über QR-Codes, die auf Ihre Website verweisen. Diese Informationen können bei Bedarf jederzeit aktualisiert und angepasst werden. 
So stellen Sie sicher, dass jeder – auch der schnelle Leser oder flüchtige Besucher – die Essenz mitbekommt, während Interessierte die Vertiefung finden können.